"Wie viele freie Journalisten folgen eigentlich Ihren Ratschlägen?" So lautete die Frage eines Teilnehmers des Seminars zur sozialen Sicherung, das am Montag bei der Akademie der Bayerischen Presse stattfand.
Die Ratschläge lauteten wie folgt:
1. Freie Journalisten gehören in die Künstlersozialkasse, im Regelfall wählen sie dabei die gesetzliche Krankenkasse. Wer Privilegien der Privatversicherten wünscht, kannn ja eine private Zusatzversicherung zur Gesetzlichen wählen, die dann unter Umständen für Einzelzimmer und Chefarztbehandlungen sorgt.
2. Neben einer Haftpflichtversicherung für privat angerichtete Schäden brauchen Freie eine Berufshaftpflicht und eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung für Schäden, die bei beruflichen Einsätzen und durch Berichterstattung entstehen können (z.B. Rufschädigung).
3. Wer Angehörige hat, benötigt auf jeden Fall eine Risiko-Lebensversicherung (also nicht unbedingt eine Kapital-Lebensversicherung)
4. Wer als Existenzgründer die Möglichkeit hat, für ca. 25 Monate im Euro noch die Option freiwillige Arbeitslosenversicherung zu wählen, sollte dies nutzen.
5. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung macht Sinn, man muss allerdings beim Anbieter aufpassen (DJV-Beratung macht Helge Kühl, freier Versicherungsmakler, Tel. 04346/5031).
6. Durchaus zusätzlich (wie bei jedem Arbeitnehmer) macht eine freiwillige Versicherung bei der Verwaltungsberufsgenossenschaft Sinn (Fotografen: Berufsgenossenschaft Druck und Papier; Videofilmer: Berufsgenossenschaft Elektrotechnik und Feinmechanik).
7. Altersvorsorge ist erforderlich. Im Regelfall ist ein Riesterprodukt die richtige Wahl für Gering- und Mittelverdiener, weil sie direkte Zuschüssse erhalten. Die Rürup-Rente dagegen schützt vor der Steuer, darf aber wie die Riester-Rente nicht auf einen Schlag in Anspruch genommen werden, sondern nur in monatlichen Teilzahlungen.
Darüber hinaus gilt: Lassen Sie sich nicht erzählen, es gebe die "eine", besonders sichere oder renditeträchtige Geldanlage. Klar ist: Eine Kapital-Lebensversicherung macht nur Sinn, wenn man lange einzahlt, d.h. die üblichen 30 Jahre lang dabei bleibt. Eine frühere Auflösung führt zu empfindlichen Nachteilen. Fonds gelten als renditeträchtig, sind aber auch sehr riskant: Sie können geschlossen und ersatzlos gestrichen werden. Das ist nicht sehr viel Sicherheit... Auch die eigen genutzte Wohnimmobilie kann eine gute Altersvorsorge sein. Überdies sollten Freie stets prüfen, ob sie übrig gebliebenes Geld nicht weiter in ihr bestehendes Unternehmen investieren, statt es an den Kapitalanlagemarkt zu geben.
Die Antwort lautete übrigens: "Vermutlich nur knapp zehn Prozent!" Immer wieder erkennen Kolleg/inn/en zu spät, wie wenig sie in staatliche Systeme eingezahlt haben, wie wenig sie in Problemfällen und im Alter erhalten. Gerade die jetzige Neu-Rentner-Generation erkennt schmerzhaft, wie wenig die Rundfunkanstalten in den 70er Jahren für sie eingezahlt hat - woraus geringste Rentenansprüche resultieren.
PS: Finanztest hat aktuell in einem Sonderheft die Berufsunfähigkeitsversicherungen geprüft. Vor Abschluss sicherheitshalber aber noch einmal Helge Kühl fragen.