DJV-Gesamtvorstand: Springer darf Freie nicht entrechten
30. Jan. 2007 - Gegen die deutlich verschlechterten Honorarbedingungen der Axel Springer AG hat der Gesamtvorstand des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) am heutigen Dienstag in Homburg protestiert. In einer Resolution kritisierten die Mitglieder des Gremiums die neuen Regelungen für freie Mitarbeiter, die das Unternehmen seit rund zwei Wochen verschickt. Nach diesen neuen Honorarbedingungen muss Axel Springer bei einer mehrfachen Nutzung von Fotos oder Texten keine zusätzliche Vergütung an die Freien zahlen, bei Abdrucken die Namen der Urheber nicht nennen und die Honorare erst sechs Wochen nach Veröffentlichung des Beitrags zahlen.
Einmal mehr müssten sich die Freien der wirtschaftlichen Macht eines Unternehmens beugen, einmal mehr werde die Abhängigkeit der Freien von einem Auftraggeber ausgenutzt, so die Kritik des DJV-Gesamtvorstands. Die angemessene Vergütung die den Urhebern gesetzlich zusteht, gewährleisteten die neuen Regelungen nicht. Wörtlich heißt es in der Resolution: "Die Axel Springer AG hat ihre Honorarbedingungen auf Kosten der Freien runderneuert. Die freien Journalisten aber brauchen bessere und nicht schlechtere Arbeitsbedingungen, höhere statt niedrigere Honorare, mehr statt weniger Rechte." Ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen wie die Axel Springer AG müsse sich der Verantwortung für seine freien Mitarbeiter stellen und für angemessene Arbeitsbedingungen sorgen. Deshalb fordere der DJV den Verlag auf, seine Honorarbedingungen umgehend zu ändern und die angemessene Vergütung seiner freien Journalisten umfassend zu sichern.
Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
Hendrik Zörner
Bei Rückfragen: Tel. 030/72 62 79 20, Fax 030/726 27 92 13
Homburg, 30. Januar 2007
Resolution des DJV-Gesamtvorstands zu den
neuen Honorarbedingungen der Axel Springer AG im Wortlaut:
Die Axel Springer AG hat neue Honorarbedingungen verfasst, Bedingungen, die die freien Journalisten des Verlags deutlich schlechter stellen als bisher. Wir protestieren gegen diese erneute Benachteiligung unserer freien Kolleginnen und Kollegen. Einmal mehr sollen sie nach Willen eines Verlags zurückstecken, Honorare einbüßen, Rechte verlieren. Einmal mehr sollen sie sich der wirtschaftlichen Macht eines Unternehmens beugen, einmal mehr wird die Abhängigkeit der Freien von einem großen Auftraggeber ausgenutzt.
Die "angemessene Vergütung", die Urhebern gesetzlich zusteht, gewährleisten die neuen Honorarbedingungen der Axel Springer AG nicht.
So sehen sie vor, dass
- die Mehrfachnutzung von Texten und Fotos ohne zusätzliche Vergütung erfolgen kann, dies gilt auch, wenn Texte und Bilder für Werbe- und Marketingzwecke genutzt werden.
- die Axel Springer AG sich Rechte einräumen lässt, die sie nicht braucht, die den freien Journalisten aber bei einer Mehrfachverwertung fehlen. Der Verlag lässt sich zudem Rechte einräumen, die die Freien bereits an die Verwertungsgesellschaften abgetreten haben.
- die Zeitschriften des Axel Springer-Verlags das ausschließliche Recht an den Beiträgen der Freien erhalten. Die freien Kolleginnen und Kollegen werden zum Lizenznehmer ihrer eigenen Werke.
- der Vertrieb an und durch Dritte ohne zusätzliche Vergütung erfolgen kann.
den Freien bei Abdruck ihrer Fotos und Texte kein Recht auf die Urhebernennung zusteht.
- Honorare erst sechs Wochen nach Eingang der Rechnung/nach Veröffentlichung des Textes oder Fotos gezahlt werden müssen.
Axel Springer hat seine Honorarbedingungen auf Kosten der Freien runderneuert. Die freien Journalisten aber brauchen bessere und nicht schlechtere Arbeitsbedingungen, höhere statt niedrigere Honorare, mehr statt weniger Rechte. Ein erfolgreiches Unternehmen wie Axel Springer, das ständig neue Rekordgewinne einfährt, muss sich seiner sozialen Verantwortung gerade auch für seine freien, mit hohen sozialen Risiken arbeitenden Mitarbeiter stellen. Es muss Verantwortung zeigen und für angemessene Arbeitsbedingungen sorgen. Deshalb fordern wir, dass die Axel Springer AG ihre Honorarbedingungen umgehend ändert und die Rechte und die angemessene Vergütung ihrer freien Journalisten umfassend sichert. Der DJV wird mit vielfältigen Mitteln gegen die Knebelbedingungen der freien Journalistinnen und Journalisten vorgehen.
DJV-Gesamtvorstand